27/11/2025
Eine ganz neue Sicht der Dinge:
Haben Sie heute schon jemanden „oskuliert“? 🤗
Es handelt sich hierbei um den wissenschaftlichen Fachbegriff für „küssen“. Bin mir zwar nicht sicher, ob der lateinische Begriff lustfördernd wirkt, aber angemessen wäre er. Denn hinter dem Küssen verbirgt sich eine äußerst interessante Wissenschaft mit kurzer Geschichte, aber langer Vergangenheit:
Laut einer gerade publizierten Untersuchung küssten sich bereits unsere frühesten Vorfahren vor mehr als 20 Millionen Jahren. Was macht das Küssen also so wertvoll für unsere Spezies? Nach meinem ersten Kuss war ich noch nicht von der Sinnhaftigkeit überzeugt (aber das ist eine andere Geschichte).
Lange Zeit glaubte man, das Küssen entstamme dem sog. premastikatorischen Füttern, also dem fürsorglichen Verhalten, dem anderen vorgekaute Nahrung weiterzugeben. Wissenschaftler zweifeln mittlerweile an dieser Theorie. Bin mir auch ehrlich gesagt nicht sicher, ob es meine Frau zu schätzen wüsste, wenn ich ihr währenddessen etwas Kartoffelbrei „herüberreichen“ würde. Streng genommen kann ich die Hypothese jedoch nicht falsifizieren, ich habe es noch nicht ausprobiert.
Küssen entstand vermutlich eher aus (anderen) sozialen Gründen: Wir küssen, weil wir eine besondere Form der Nähe suchen und Intimität finden. Das reduziert Stress und beruhigt uns (Cortisol sinkt), und es erzeugt Vertrautheit und Geborgenheit (Oxytocin steigt). Ein wichtiger Aspekt dabei ist: Küssen ist kein S*x! Es signalisiert das Bedürfnis nach Verbindung, weniger nach Reproduktion. Meine Studenten sind immer ganz erstaunt, wenn ich Ihnen davon berichte, dass im Gehirn kaum klassische S*xualhormone, dafür jedoch Bindungshormone ausgeschüttet werden. Es geht also weniger um Lust, sondern mehr um Nähe. S*x kommt (vielleicht) im Anschluss, aber das ist nicht entscheidend.
Darüber hinaus zeigen aktuelle Arbeiten noch etwas anderes: Sobald wir uns küssen, tauschen wir Mundbakterien aus. Dadurch gleicht sich das orale Mikrobiom beider Partner an und die Mundflora sich. Es klingt auf den ersten Moment möglicherweise nur mittelmäßig romantisch, beim Küssen Mundhöhlenkeime auszutauschen. Werden Sie den Gedanken also bitte schnell wieder los, wenn Sie mittendrin sind. Aber machen Sie sich dennoch klar: Küssen hat neben einer sozialen beim Menschen wahrscheinlich auch eine biologische Komponente. Küssen hält gesund!
Mit diesem Hintergrundwissen möchte ich Sie einladen, heute ein paar Menschen in Ihrem Umfeld nach einem Kuss zu fragen oder selbigen anzubieten. Falls Sie irritierte Blicke von Ihren Mitmenschen ernten, fragen Sie sie, ob Sie sie „oskulieren“ dürften. Der wissenschaftliche Terminus könnte Ihre Chance vielleicht erhöhen!
Ich grüße (und küsse 😙) Sie jedenfalls an dieser Stelle ganz herzlich. Kommen Sie morgen gut in das erste Adventswochenende… 🎄
Die Literatur zu den Studien unten in den Kommentaren.