01/02/2021
Liebe Patientinnen und Patienten,
die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen Parodontose und der Erkrankung an Covid-19. Wir haben die Ergebnisse im Folgenden kurz zusammengefasst.
Als Zahnärztinnen ist es jeden Tag unsere Aufgabe PatientInnen über Zusammenhänge allgemeiner und oraler Gesundheit aufzuklären. Einen wichtigen Stellenwert nimmt dabei die Aufklärung über Parodontose ein. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung des Zahnhalteapparates, die mit einer Entzündung von Zahnfleischtaschen, Zahnfleischbluten und Lockerung von Zähnen einhergeht. Es ist schon lange bekannt, dass eine Parodontose mit anderen Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Infektionserkrankungen oder Erkrankungen des Immunsystems vergesellschaftet ist. Dabei kann bei Vorliegen einer Parodontose einerseits das allgemeine Krankheitsbild der jeweiligen Erkrankung verschlimmert werden. Andererseits kann es durch Behandlung der Parodontose mit Ausheilen der Zahnfleischtaschen zu einer Verbesserung der Allgemeinbeschwerden kommen (z.B. Stärkung des Immunsystems, Senkung von Bluthochdruck).
Im aktuellen Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie konnten Wissenschaftler auch eine direkte Verbindung zwischen Parodontose und einer Covid-19 Infektion herausstellen. Es wurde herausgefunden, dass PatientInnen mit geschwollenem und blutendem Zahnfleisch, also Symptome einer Parodontitis, ein höheres Risiko haben an einer COVID-19 Infektion zu versterben.
Parodontose führt nicht zu einem erhöhtem Ansteckungsrisiko. Allerdings kann der Verlauf nach erfolgter Ansteckung mit COVID-19 dramatischer verlaufen als bei Mundgesunden. Diese Erkenntnis stellt die enorme Bedeutung der Behandlung einer bestehenden Parodontose beziehungsweise des Erhalts der Mundgesundheit in diesen schwierigen Zeiten erneut heraus.
Der Hintergrund des erhöhten Risikos für einen fulminanten Verlauf von Covid-19 bei Patienten mit Parodontose ist der Folgende. Die Zellen unserer Mundschleimhaut sind bei einer Parodontose durch das Entzündungsgeschehen geschwächt. Dadurch sind auch die Kontakte zwischen den Zellen durchlässiger. Folglich können Bakterien und Viren diese Barriere leichter überwinden, leichter schädigen und in unseren Organismus eindringen. Da sich dieses Geschehen in den Atemwegen abspielt, kann sich daraus eine Lungenentzündung entwickeln.
Wir möchten unseren PatientInnen deshalb auch in diesen schweren Zeiten ans Herz legen, weiterhin gut auf ihre Mundgesundheit zu achten. Dazu gehört sowohl die häusliche Mundhygiene, als auch dass die regelmäßigen Routineuntersuchungen beim Zahnarzt wahrgenommen werden. Die orale Prävention stärkt unsere Immunkompetenz, wodurch der Virus am Entstehungsort, nämlich im Rachen- und Halsbereich, abgewehrt werden kann.
Quelle:
The Impact of Periodontal Disease on Hospital Admission and Mortality During COVID-19 Pandemic, Larvin H, Wilmott S, Wu J and Kang J (2020) Front. Med. 7:604980. doi: 10.3389/fmed.2020.604980