15/08/2026
+++ Daumen oder Nuckel? Wie Schnuller und Daumenlutschen Kinderzähne prägen – und wie der Abschied gelingt +++
Ein müdes Seufzen, die Augen fallen zu, und schwupps – wandert der Daumen in den Mund oder der geliebte „Nucki“ wird herbeigesehnt. „Als Zahnärztin kenne ich diesen Anblick nur zu gut. Für unsere Kleinsten ist das Nuckeln ein absoluter Urinstinkt. Es beruhigt, schenkt Geborgenheit und hilft beim Einschlafen“, weiß Zahnärztin Dr. Heike Fischer von didenta in Rheinberg. „Doch so friedlich das Bild auch ist: Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir uns fragen müssen, wann aus der kindlichen Angewohnheit ein Risiko für die Zahn- und Kieferentwicklung wird“, so die Zahnärztin.
+++. Warum nuckeln Kinder überhaupt? +++
Das Saugbedürfnis ist Babys angeboren. Es sichert in den ersten Lebensmonaten das Überleben beim Stillen oder Fläschchen trinken. Später wird das Nuckeln zur emotionalen Brücke: Es baut Stress ab und tröstet bei kleinen Wehwehchen.
„Gegen das Nuckeln in den ersten zwei Lebensjahren ist aus zahnmedizinischer Sicht auch kaum etwas einzuwenden. Der Kiefer ist in dieser Phase noch sehr flexibel. Kritisch wird es erst, wenn die Gewohnheit dauerhaft bleibt, während die Milchzähne komplett da sind und der Kiefer kräftig wächst“, erklärt Dr. Fischer.
+++ Was passiert im Mund mit Daumen oder Schnuller? +++
Wenn Kinder im Alter von drei oder vier Jahren noch intensiv nuckeln, kann der ständige Druck die Form des Kiefers und die Stellung der Zähne verändern.
• Der Daumen ist hart, unnachgiebig und drückt sich meist von unten gegen den harten Gaumen, während er die oberen Schneidezähne nach vorne schiebt.
• Der Schnuller ist zwar weicher, blockiert aber – je nach Form – den Platz für die Zunge und drückt die Zähne ebenfalls auseinander.
Die häufigsten Folgen für das Gebiss:
• Der offene Biss: Zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen entsteht eine kreisrunde Lücke, selbst wenn die Backenzähne fest aufeinanderbeißen. Das Abbeißen von einem Apfel oder Brot wird dann schwierig.
• Der Kreuzbiss: Der Oberkiefer wird durch den Zug beim Nuckeln zu schmal, sodass die oberen Zähne nicht mehr passgenau über die unteren greifen.
• Lispeln: Wenn die Zunge durch die Zahnfehlstellung nicht mehr richtig platziert werden kann, betrifft das oft auch die Sprachentwicklung.
Wenn die Gewohnheit rechtzeitig – idealerweise bis zum dritten Geburtstag – abgelegt wird, bilden sich viele Verformungen des Kiefers von ganz alleine wieder zurück. Das kleinere Übel von beiden ist der Schnuller. Den Schnuller können Eltern irgendwann verschwinden lassen – den Daumen hat das Kind immer parat. Zudem gibt es heute kiefergerechte Schnuller mit einem besonders dünnen Schaft, die den Druck auf die Zähne minimieren.
+++ Wie gelingt die Entwöhnung? Fünf Tipps für Eltern +++
Bitte vermeiden Sie Druck, Schimpfen oder gar bittere Tinkturen auf dem Daumen. Das erzeugt nur Stress – und was tun Kinder bei Stress? Richtig, sie nuckeln erst recht. Versuchen Sie es stattdessen mit positiver Verstärkung und kreativen Ritualen.
1. Schritt für Schritt reduzieren
Fangen Sie damit an, den Schnuller tagsüber zu rationieren. Er wohnt ab jetzt zum Beispiel nur noch im Bett und wird tagsüber beim Spielen „geparkt“. Wer beschäftigt ist und beide Hände zum Basteln oder Bauen braucht, vergisst den Nuckel schnell.
2. Die Schnullerfee einladen
Ein absoluter Klassiker, der psychologisch Wunder wirkt. Das Kind legt seinen Schnuller abends auf die Fensterbank. Nachts holt ihn die Schnullerfee ab und lässt als Dankeschön ein kleines, sehnlichst gewünschtes Spielzeug da. Der Tausch ist besiegelt!
3. Der Schnullerbaum
In vielen Städten gibt es sie bereits in Parks oder bei Kinderärzten: Bäume, an denen Kinder ihren Schnuller mit einem bunten Band aufhängen können. Zu sehen, dass viele andere Kinder das auch schon geschafft haben, macht unheimlich stolz.
4. Bei Daumenlutschern: Alternativen und Bewusstsein schaffen
Da man den Daumen nicht wegnehmen kann, hilft hier Reden und Umlenken. Wenn Sie merken, dass der Daumen in den Mund wandert, bieten Sie ein Kuscheltier zum Festhalten oder ein Knetspiel an. Für die Nacht können im ersten Schritt auch kuschelige Schlafhandschuhe oder ein buntes Pflaster am Daumen als „Erinnerungshilfe“ für das Kind dienen.
5. Das Belohnungsplakat
Basteln Sie gemeinsam ein Plakat. Für jeden Tag (oder jede Nacht) ohne Nuckel oder Daumen darf das Kind einen bunten Sticker aufkleben. Nach einer Woche voller Sticker wartet ein toller Familienausflug – zum Spielplatz, in den Zoo oder zum Eisessen.
„Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Setzen Sie sich und Ihr Kind nicht unter Druck. Wenn der Abschied rund um den dritten Geburtstag gelingt, haben wir die besten Chancen auf ein rundum gesundes, gerades Kinderlachen“, sagt Dr. Heike Fischer.
Und wenn Sie unsicher sind, ob sich das Gebiss Ihres Kindes bereits verändert hat? Kommen Sie einfach vorbei! Bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen werfen wir einen ganz entspannten Blick auf die Zahnentwicklung und stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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