19/10/2018
Liebe Firma Straumann, gelesen haben wir Ihre Stellungnahme schon. Mehrfach sogar. Überzeugen kann sie uns jedoch nicht. Der Stempel „Swiss made“ und die Präferenz der Schweizer für Schweizer Produkte soll´s also richten? Ja, warum dann der ganze Aufwand? Empfehlen Sie Ihren Kunden doch einfach die Suisse Dental Laboratories. Die waren doch bisher auch ganz gut für Ihre Kunden? Das wäre die bessere Wahl. Und eine wirklich lokale Lösung.
Sie haben eine Mehrheitsbeteiligung an der Fischler AG (Rheinfelden) erworben, um an den Schweizer Zahntechnikern vorbei Zahnersatz an deren Klientel zu verkaufen. Nicht etwa nur Gerüstkonstruktionen. Nein – so ziemlich das gesamte prothetische Spektrum deckt Ihr „Fräszentrum“ ab. Und auf der gesamten Webseite wird der Zahntechniker als Kunde noch nicht mal erwähnt. Das Versprechen an Ihre zahnärztlichen Kunden lautet hingegen: „Sie erhalten Ihre individuelle zahntechnische Arbeit einsatzbereit in die Praxis geliefert.“ Direkt von Ihnen – ohne Umwege. Die Schweizer Zahntechnik bleibt aussen vor. Wo die Schweizer Kollegen hier die Fakten verdrehen, wird in ihrer Stellungnahme nicht wirklich klar. Tatsache ist: Straumann ist im Wettbewerb mit den Schweizer Laboratorien.
Dass keine globale Strategie dahinterstecken soll, ändert nichts an Ihrer Vorgehensweise. Glaubwürdig ist diese Behauptung jedoch wenig. Wenn ihr Businessplan aufgeht und sie die Marktanteile bekommen, die sie sich erhoffen, ist diese Stellungnahme ggf. nicht mehr das Papier wert auf dem sie gestern geschrieben wurde.
Und nun wundern Sie sich, warum die zahntechnischen Laboratorien sich so echauffieren? Ganz einfach – die haben Ihnen vertraut. Und sie missbrauchen dieses Vertrauen, in dem sie – auch finanziert durch deren jahrelange Kundentreue – zum knallharten Wettbewerber werden. Ein Wettbewerber, der bessere Einkaufskonditionen als jedes Labor hat, ein Wettbewerber der für kleines oder kein Geld Scanner an die Zahnärzteschaft verteilen kann. Ein Wettbewerber mit einem Netzwerk aus Zahnärzten und Wissenschaft im Rücken. Der Grund des Aufschreis: Die Zahntechnik nimmt sie als Wettbewerber ernst. Aber sie wird mit breiter Brust den Wettbewerb annehmen. Vereint.
Moralisches Gesülze? Mag sein. Aber Fairness, Respekt und Loyalität sind ein hohes Gut in Zeiten, in denen die halbe Welt nur noch über Deals nachdenkt. Warum muss man ein gut funktionierendes System, das auf Vertrauen zwischen Zahnarzt, Zahntechnik, Handel und Industrie basiert aushebeln und dabei die kleinen, aber leistungsstarken Unternehmen platt machen? Was können sie besser als die bestehende Zahntechnik? – Sind sie schneller? Arbeiten sie präziser oder ästhetischer? Sind sie näher am Zahnarzt oder am Patienten? Sind sie preiswerter? Noch nicht mal letzteres – denn der wahre Wert generiert sich nicht nur über den Preis. Wir erkennen keine Vorteile in ihrem Projekt. Weder für die Patienten, noch die Zahnärzte und schon gar nicht für die Gesellschaft. Und die Zahntechnik? Aus Kunden werden Mitbewerber. Wir beobachten zunehmend die Profitgier von Investoren. Wie lange soll das gehen? Solange bis sich einige Megaplayer den Gesundheitsmarkt teilen und die freien Berufe (Zahnarzt und Zahntechniker) allesamt in irgendwelchen Zentren arbeiten. Das wäre fatal.
Und – liebe Zahnärzte: Wir bitten um Verständnis und Eure Solidarität in unserer Not. Mit den Laboratorien als schwächstes Glied fängt es lediglich an. Wer wird wohl als nächstes das Objekt der Begierde sein? Wir sind natürliche Verbündete: Wir und ihr – die kleinen, individuellen und patientenorientierten Leistungsträger des Gesundheitssystems. Und wir machen nicht so einfach Platz. Für niemand.
Ihr
Homo Dentechnicus
P.S.: Ach ja – der Homo Dentechnicus steht als Synonym für unsere Berufsgruppe. Fleissig, loyal, geschickt, serviceorientiert und leidensfähig. Aber nicht dumm.