10/12/2019
Bericht und Stellungnahme zur
Bundesfachschaftstagung WS19/20 in Halle
Wie jedes Semester machten sich auch diesmal Vertreter der Fachschaft Zahnmedizin auf den Weg zur BuFaTa, dieses Jahr in Halle an der Saale, um sich mit Zahnmedizinstudenten aus ganz Deutschland über aktuelle Themen und Probleme des Studiums und dessen Organisation auszutauschen.
Dieses Mal stand erneut die neue Approbationsordnung an oberster Stelle der Tagesordnung. Nach wie vor erhitzt sie die Gemüter nicht nur der Studierenden, sondern auch der Lehrenden.
Dazu äußerten sich Vertreter der Lehre in Halle bei Ihrer offiziellen Begrüßung der angereisten Fachschaftsvertreter. Dabei vertraten sie die Position, dass die Einführung der vollständigen humanmedizinischen Vorklinik (Stichwort -Extremitätentestat-) für Zahnmediziner, wie sie in Heidelberg bis vor zwei Jahren üblich war und heute ähnlich ist, unnötig und eher als Zeitverschwendung zu werten sei. Dieses wurde von einem Großteil der Anwesenden mit tosendem Applaus quittiert. Wenn auch die Meinung hierzu in der Fachschaft umstritten ist, geben wir zu bedenken, dass uns diese Möglichkeit einen Überblick über den ganzen Körper und seine Zusammenhänge zu bekommen keinesfalls geschadet hat und auch die Zusammenhänge in der Physiologie mit einer deutlichen Einschränkung auf „anatomisch relevante Gebiete“ mit Sicherheit nicht so klar geworden wären. Nicht zuletzt ermöglicht das gemeinsame Lernen mit den Humanmedizinern ein produktives Lernumfeld, das nicht durch ständige Unterbrechungen wegen „unrelevanten“ Themenbereichen herabgesetzt wird. Auch bei Zahnmedizinern handelt es sich um Mediziner. Die Aussage, wofür ein Zahnmediziner denn etwas über kolorektale Karzinome lernen solle, lässt sich mit der Gegenfrage, wofür dies Augenärzte tun sollten in einem anderen Licht sehen.
Aber nicht nur Themen der Lehre fanden Erwähnung, sondern auch der Anschlag in Halle am 09. Oktober, der sich nicht weit entfernt der Zahnklinik zugetragen hatte. Alle drei Lehrenden betonten dabei, dass Halle für eine offene Gesellschaft stehe und verurteilten die Tat aufs Schärfste.
Auch wiesen sie die Studenten darauf hin, dass ein solches Treffen bundesweiter Vertreter in der Vergangenheit in Halle so nicht möglich gewesen wäre, fiel doch die Fachschaftsaussprache auf den 30. Jahrestag des Mauerfalls.
Jede Einzelheit der Besprechung hier wiederzugeben, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, deshalb wollen wir uns im Folgenden auf die wichtigsten Punkte konzentrieren.
Wie bereits oben erwähnt, stellt die neue Approbationsordnung momentan die größte Herausforderung v.a. in puncto Organisation dar. Wichtige Änderungen sind z.B. die Integration von mehr humanmedizinischen Inhalten v.a. in der Vorklinik (bis hier schon zumindest ähnlich in Heidelberg gehandhabt), die Einführung eines einmonatigen Pflegepraktikums und von Famulaturen bei niedergelassen Zahnärzten im Umfeld des Uniklinikums, die Einführung eines schriftlichen Teils im 2. Staatsexamen und die Erhöhung des Betreuungsschlüssels in den klinischen Behandlungskursen von 1:6 auf 1:3. Besonders letzterer Punkt erregt die Gemüter der Universitäten, da die Finanzierung einer solch drastischen Erhöhung unbeantwortet bleibt. Vertreter der Uni Tübingen merkten zudem an, dass der Bildungsetat in Baden-Württemberg von 1,2 Milliarden Euro auf 600 Millionen halbiert worden sei, wodurch mit keiner weiteren finanziellen Unterstützung durch das Land zu rechnen sei.
Manche Universitäten stellen laut deren Fachschaftsabgesandten bereits Überlegungen über eine drastische Verringerung der angebotenen Studienplätze oder der Behandlungszeit am Patienten an, um so auf den geforderten Betreuungsschlüssel zu kommen. Dies wird von der Versammlung in Zeiten von Fachkräftemangel, insbesonders auch in den ländlichen Regionen, und bereits jetzt bestehender Studienplatzknappheit, sowie wegen der durch die Senkung der Behandlungszeit damit verbundene Abnahme an Erfahrung und Übung äußerst kritisch gesehen.
Die Fachschaften Hannover und Münster berichteten eng bei der Umsetzung der Vorgaben mit der Lehre eingebunden zu sein und so im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv die Planung des neuen Stundenplans mitzugestalten. Leider waren sie damit klar in der Unterzahl.
Wir als Fachschaft in Heidelberg wollen uns auf jeden Fall für die Studenten bei der Neugestaltung einsetzen, wobei wir auch in mehr oder weniger regelmäßigem Kontakt mit Prof. Dr. Lux stehen. Das Thema spielte dabei allerdings bisher nur eine untergeordnete Rolle. Dies planen wir zu ändern. Die Dringlichkeit der Diskussion wird besonders durch einen Blick auf die Übergangsregelungen deutlich:
Studierende, die am 01.10.2020 das Vorphysikum noch nicht bestanden haben, studieren bis zum 31.10.2021 nach der alten ZApprO und können bis zum 30.04.2024 das Physikum nach alter ZApprO ablegen. Nach dem Physikum wir automatisch zur neuen ZApprO gewechselt. Studierende, die am 01.10.2020 das Physikum noch nicht bestanden haben, studieren bis zum 30.04.2023 nach alter ZApprO, wechseln aber auch automatisch nach bestandenem Physikum
zur neuen ZApprO.
Zusätzlich findet laut der neuen ZApprO eine Unterteilung des Studiums in drei Abschnitte statt:
1. Abschnitt (1.-4. Semester) - startet am 01.10.2020
2. Abschnitt (5.-6. Semester) - startet am 10.07.2021
3. Abschnitt (7-11. Semester) - startet am 01.10.2023*
Das bedeutet: Der erste Jahrgang, der ausschließlich nach der neuen ZApprO studiert, startet bereits im WS 2020/21. Alles Organisatorische muss jedoch größtenteils schon mindestens ein halbes Jahr zuvor geregelt sein, mit anderen Worten also am Ende des aktuellen Semesters.
Weitere Themen der Fachschaftsaussprache waren z.B. die Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen, die laut Bundesgesetzt durch jede Hochschule einzeln festgelegt werden kann; die geringe Anzahl an Promotionsangeboten insbesondere zu zahnärztlichen Themen (es wurde von Jena um einen Überblick der Lage an anderen Unis gebeten), das Problem, ebenso wie das begleitende Punktesammelsystem (in HD MEDISS), besteht im Prinzip an fast allen Unis und die hohe Gewichtung des TMS im Auswahlverfahren vieler Unis (Freiburg ist mit einer Änderung ihres Verfahrens hin zu einer höheren TMS-Gewichtung unzufrieden, da abgeschlossene Berufsausbildungen so zu gering gewürdigt würden).
Zur Lehre in Halle an sich können wir leider nur eingeschränkt berichten, da es keine explizite Führung wie bei früheren BuFaTas gab. Im Rahmen der PräpOlympiade konnten wir uns ein Bild der vorklinischen Einheiten machen. Diese bestanden aus Phantomköpfen, die an den Laborplätzen (äquivalent zu unseren hier) befestigt wurden. Eine Behandlungseinheit im eigentlichen Sinne war nicht vorhanden. Das Gebäude der Zahnklinik an sich konnte als renovierter Altbau dennoch überzeugen.
Die größten Unterschiede in der Lehre sind wohl die auf zahnmedizinische Themen eingeschränkte Vorklinik nach alter ZApprO und in der Klinik ein eigener Behandlungskurs der Kinderzahnheilkunde.
Im Rahmen des Abendprogramms, das zum Motto der BuFaTa "HalleGalli" passend in Zirkuskostümen der 20. Jahre stattfand, konnten wir Kontakte zu Vertretern anderer Universitäten knüpfen und unsere Erfahrungen austauschen. Das alles passt zwar nicht in einen kompakten Bericht, aber sprecht uns doch einfach an, wenn ihr interessiert seid, oder kommt zu unseren regelmäßig stattfindenden Fachschaftstreffen! Wer weiß, vielleicht fahrt ihr ja dann bald als Vertreter für Heidelberg auf die nächste Bundesfaschaftstagung? Die Termine findet ihr immer auf unserer Facebook Seite oder alternativ wissen eure Semesterbesprecher bescheid.
Wir freuen uns auf euch!
*Cave: Alle Angaben ohne Gewähr! Quelle: bdzm.
Bericht der Bufata in pdf-Format unter folgendem Link abrufbar:
http://fszahnmedizin.stura.uni-heidelberg.de/wp-content/uploads/2019/12/Bericht-BuFaTa-Halle-19.pdf