14/10/2021
Der Angstpatient und Kinderbehandlung
Hallo,
wie die Überschrift schon sagt, geht es heute um Angstpatienten und um Kinder.
Da uns viele Patienten ansprechen, ob und wie wir Angstpatienten behandeln, möchten wir dieses Thema in dieses Beitrag aufgreifen.
Jeder Mensch hat vor irgendetwas Angst. Das ist auch ganz normal. Angst haben, heißt nicht schwach zu sein, sondern menschlich. Wer Angst hat , sollte sich dieser auch stellen, denn dann ist man mutig. Aber man ist auch mutig, zu sagen, „Nein, ich habe Angst, ich möchte das nicht!“. Und ganz ehrlich, wer mutig ist, ist nicht schwach.
Vor allem Kinder kann man meistens als Angstpatienten einordnen, da diese eher Bammel vor dem Unbekannten haben. Deswegen ist es wichtig zu Hause schon die Behandlung vorzubereiten. Den größten Fehler den man zu Hause machen kann sind Sätze wie z.B.: „Du brauchst keine Angst haben.“, „Da passiert doch Nichts“, „Wenn du ordentlich Zähne putzt, muss der Zahnarzt nicht bohren.“oder ähnliche. Kinder hören die Worte „keine“ und „Nichts“ nicht. Sie hören nur, das Wort ANGST und PASSIERT. Der Satz: „ Der Zahnarzt zählt deine Zähne und schaut wie hübsch sie sind.“ ist viel effektiver. Und bei Kindern bohren wir „nicht“. Wir machen den Zahn sauber und schmeißen Karius, Baktus und Hackibacki aus den Mund raus. ;-)
Aber wie gehen wir nun mit Patienten um, die Angst haben? Für uns ist es ganz wichtig, schon bei der Terminvergabe zu wissen, dass eine Angst besteht. Denn nur so können wir genügend Zeit einplanen. Und diese Zeit benötigen wir auch, da wir den Termin so legen, dass definitiv keine (lange) Wartezeit entsteht und wir gestalten die Behandlung viel ruhiger. Das heißt, wir lenken den Patienten während der Behandlung mit Smalltalk ab, gönnen ihn kurze oder auch lange Sekunden zum durch atmen. Ebenso achten wir vermehrt auf körperliche Symptome. Es ist nicht selten, dass der Kreislauf in den Keller rutscht, auf Grund der Stresssituation. Wir erklären den Patienten, auf Wunsch, alles ganz genau was wir in in der Behandlung machen.
Und uns ist es wichtig, wenn der Patient, „Nein“, „Stopp“ etc sagt, dann hören wir auch sofort auf. Auch bei „Nicht-Angstpatienten“.
Unterm Strich können wir sagen, sitzt bei uns ein Angstpatient im Behandlungszimmer, gibt er das Tempo an.
Ich habe vor ein paar Jahren eine Weiterbildung absolviert, wo über das Thema Trance berichtet wurde. „Zahnbehandlung im Zauberwald“ Auf Wunsche wende ich dieses Wissen auch an. Um ehrlich zu sein, wende ich es unbewusst eigentlich sofort an, wenn ich bemerke, dass der Patient eine Ablenkung braucht. Trance heißt nicht Hypnose oder dergleichen, sondern ich helfe den Patient seinen gedanklichen Schwerpunkt zu verlagern. Das klappt auch immer sehr gut, wenn der Patient einen ausgeprägten Würgereiz (z.B. bei Abformungen ) hat.
Kinder gedanklich von der Behandlung weg zu holen macht mir persönlich am meisten Spaß. Da gibt es Superhelden- oder Einhorngeschichten oder eine andere Geschichte? Mit gezielten Fragen finde ich meistens heraus, für was das Kinderherz schlägt. Und die Eltern staunen immer, wie toll die Kinder in der Behandlung mit arbeiten. Und für ganz besonders tapfere Kinder wartet eine Belohnung in unseren Zauberschieber. ;-)
Man kann bei diesen Thema noch weit ausholen. Gern dürft ihr zu diesen Thema noch Fragen per PN oder in die Kommentare stellen.
Liebe Grüße
Schwester Sandy
PS.: Nehmt das Bild mit Humor ;-)