05/05/2026
Stand Mai 2026: Die spannendsten Linien in der Zahnmedizin sind derzeit mehrere klare Paradigmenwechsel.
🔵1. KI wird real — aber als Zweitleser, nicht als Zahnarzt-Ersatz
KI-Systeme zeigen zunehmend gute Leistungen bei Kariesdetektion, parodontalem Knochenabbau, Implantatplanung, Kephalometrie und Läsionserkennung. Besonders stark ist KI dort, wo strukturierte Bilddaten vorliegen: Bitewings, Panoramaschichtaufnahmen, DVT/CBCT, intraorale Fotos. Systematische Übersichten betonen aber weiterhin: viele Studien sind retrospektiv, heterogen und noch nicht ausreichend prospektiv validiert. Der klinische Wert liegt daher derzeit vor allem in Qualitätssicherung, Befundunterstützung und Verlaufskontrolle. 
Praxisrelevant: KI kann helfen, frühe Approximalkaries, horizontalen Knochenabbau oder periimplantäre Defekte konsistenter zu erkennen — aber die Verantwortung bleibt beim Behandler.
🟠2. Parodontitis wird immer stärker als immunologisch-systemische Erkrankung verstanden
Die neuere Literatur verschiebt den Fokus weg von „nur Biofilm und Zahnstein“ hin zu Dysbiose, epithelialer Barriere, Immunantwort, chronischer Low-grade-Inflammation und oral-systemischen Achsen. 2026-Reviews beschreiben Mechanismen, über die Parodontitis mit kardiometabolischen, respiratorischen, neurologischen und anderen systemischen Prozessen verknüpft sein kann; gleichzeitig bleibt wichtig: Assoziation ist nicht automatisch Kausalität. 
Praxisrelevant: Noch wichtiger werden Risikoprofil, Diabetes-/Raucherstatus, Vitamin-D-/Entzündungsstatus, engmaschige UPT und konsequente Biofilmkontrolle. Host-Modulation ist interessant, aber nicht als Ersatz für saubere mechanische Therapie. Aktuelle Reviews sehen host-modulierende Ansätze als Paradigmenwechsel, die Evidenz ist aber je nach Substanz sehr unterschiedlich. 
🟢3. Periimplantitis:
In meiner Praxis seit 3 Jahren durchgeführt !
Dekontamination der Implantatoberfläche bleibt der Knackpunkt
Ein heißes Thema ist die elektrolytische Implantatreinigung, etwa mit GalvoSurge-ähnlichen Verfahren. Die Idee ist überzeugend: Biofilm auch auf rauen Implantatoberflächen besser entfernen und damit Regeneration/Reosseointegration begünstigen. Aber: Die Evidenz ist noch relativ jung. Eine Scoping Review fand bis Ende 2024 nur wenige einschlägige Publikationen; aktuelle klinische Berichte und Studien deuten Potenzial an, ersetzen aber noch keine breit abgesicherte Langzeit-Evidenz. 
Kritische Einordnung: Galvanische/elektrolytische Reinigung ist wahrscheinlich einer der interessantesten Ansätze bei Periimplantitis — aber sie ist keine Garantie. Entscheidend bleiben Defektmorphologie, Prothetikdesign, Keratinisierung, Plaquekontrolle, Explantationsgrenze und Maintenance.